Chianti Classico im Lenbach Palais

Der Chianti ist wohl eines der Aushängeschilder der Toskana. Das Symbol des Schwarzen Hahnes schützt die Einmaligkeit dieses besonderen Weines und seiner Herkunft. 

Meininger lud unter dem Thema „Chianti Classico – Gran Selezione – Riserva – Annata“ zur Verkostung hervorragender Chianti von 40 Betrieben ins Lenbach Palais ein. Dort gab es viel Neues zu probieren, zu erfahren und zu entdecken.

Ursprünglich legte Großherzog Cosimo III. bereits 1716 in einer Verordnung das Anbaugebiet „Chianti“ zwischen Florenz und Siena fest. Der Wein aus dieser Region verzeichnete so große Erfolge, dass er schnell auch den Namen seines Anbaugebietes erhielt. Da jedoch bald zu viele nationale und internationale Zungen nach Chianti gierten, wurde die Nachfrage mit Weinen aus anderen Regionen unter dem Namen „Wein im Chianti-Stil“ oder ebenfalls vereinfacht „Chianti“ erzeugt. Um ihren Chianti zu verteidigen, gründeten die Produzenten das Konsortium zur Verteidigung des für den Chianti typischen Weines. Das damals gewählte historische Emblem des Schwarzen Hahnes steht noch heute für Qualität und Tradition und nur Weine aus dem kleinen ursprünglichen Gebiet dürfen sich damit schmücken und Chianti Classico nennen.

Durch eine Neuregelung im Jahr 2013 erhielt der Chianti Classico eine weitere Klassifizierung durch eine Qualitätspyramide. Chianti Classico Annata am unteren Ende steht für spezifische chemische Parameter und Eigenschaften wie Farbe, Geruch und Geschmack. Chianti Classico Riserva fordert zusätzlich eine Lagerung von mindestens 24 Monaten, davon drei zur Verfeinerung in der Flasche. Die Königsklasse bildet der Chianti Classico Gran Selezione, dessen Weine entweder aus einzelnen Lagen oder aus einer Selektion der besten Trauben eines Weingutes entstehen. Eine Lagerung von mindestens 30 Monaten ist ebenfalls eine wichtige Bedingung. Ein intensives Rubin- bis Granatrot, würzige Noten und ein trockener, frisch-fruchtiger Geschmack, der durch Tannine ausbalanciert wird. Bei diesem Chianti muss alles stimmen.

Auf unserem kleinen Rundgang starteten wir bei Barone Ricasoli. Es handelt sich hierbei um das älteste Weingut Italiens und der damalige Gründer gilt als Erfinder der „Chianti-Formel“, die vorschreibt, dass außer Sangiovese maximal 20% andere Trauben beigemischt werden dürfen. Vor allem der Chianti Classico DOCG Brolio Bettino 2013 bot uns ein besonderes Geschmackserlebnis. Er wird in alten 5000 l Holzfässern gelagert und jedem Toskanaliebhaber gerecht.

Bei den Weinen von Castello di Albola mischen sich verschiedenste Facetten zu einem unglaublich komplexen Gaumenspiel. Viel Kirsch, Beere, Cassis und Gewürze. Das Castello La Leccia bietet nicht nur vollmundige Weine, sondern auch die Möglichkeit, einige Nächte im Familien betriebenen Hotel zu verbringen und die wunderschöne Landschaft zu genießen. Lecci e Brocchi kredenzte sehr würzige Weine. Hier vermischen sich nicht nur Nelken, Zimt und Sternanis, sondern auch die Generationen. Der Namensgeber des Riserva Il Chiorba 2013 ist der Großvater des jetzigen Besitzers, der als „großer Kopf“ bekannt war.

Mit der sympathischen Valeria – kein Scherz – von Losi Querciavalle waren wir uns schnell einig. Ein guter Wein braucht etwas Zeit und entwickelt dann angenehme Fruchtnoten, die mit Akzenten umspielt werden. Vor allem die Zimt- und Vanillenoten im Gran Selezione Losi Millennium 2010 haben es uns angetan. Der frühere Besitzer des Weingutes Nittardi war kein geringerer als Michelangelo. Diese künstlerische Besonderheit wird jedes Jahr mit zwei verschiedenen Motiven geehrt, die von berühmten Künstlern gemalt werden. Neben Günter Grass und Yoko Ono zieren Gemälde von Alain Clément und vielen weiteren Etikett und Einschlagpapier. Der Vigna Dogesse und der Riserva Nittardi 2012 zählen zu unseren Highlights der Verkostung.

Wir haben an diesem Abend gelernt, dass Chianti unglaublich vielseitig sein kann. Wir danken Meininger und den Weingütern für das schöne Erlebnis, Pecorino, Prosciutto und wunderbare Weine.

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