Kleine Japanreise dank einer Flasche Sake

Obwohl 2020 für die wenigsten von uns vom Reisen geprägt ist, wollen wir euch heute auf eine kleine Reise nach Japan mitnehmen. So können wir zumindest in Gedanken in dampfenden Ramen-Läden eine Suppe genießen, vom Shinkansen aus die herrliche Landschaft an uns vorbeiziehen sehen und die Gastfreundschaft der Japaner spüren. Und dank einer Flasche Sake, die wir von unserem Urlaub mitgebracht haben, eines der Nationalgetränke von zu Hause aus verkosten.

Unseren ersten Sake probierten wir an einem kleinen Badeort an der Nordküste der Hauptinsel Honshu namens Takeno. Dort lernten wir von unseren freundlichen Gastgebern, dass sich zwar hartnäckig das Gerücht hält, man habe Sake warm zu trinken, dies jedoch abhängig von der Jahreszeit und dem sogenannten Poliergrad ist. Dieser bezeichnet das Volumen, dass nach dem Polieren der Reiskörner vor deren Weiterverarbeitung übrig bleibt. Je kleiner die Zahl desto teurer und hochwertiger ist meist auch der Sake. Das Abschleifen der äußeren Schichten macht den Sake außerdem milder, weswegen hochwertiger Sake meist gekühlt getrunken wird, um die komplexen Noten nicht durch Hitze zu überdecken. 

Sake wird oft fälschlicherweise als “Reiswein” bezeichnet, ähnelt von der Herstellung aber eher dem Bier und wird mit Hilfe von Fermentation gewonnen. Aufgrund der komplexen Aromen und vielfältigen Arten findet Sake sowohl als Aperitif als auch Digestif Verwendung und wird außerdem gern zum Essen gereicht. 

Auf unserer Reise begleitete uns ab Tokio eine Flasche “Hakkaisan Tokubetsu Junmai Genshu”. Hakkaisan ist die Brauerei, Junmai bezeichnet die Art des Sake und der Zusatz Tokubetsu bedeutet, dass der Sake entweder durch den Poliergrad oder ein anderes Merkmal qualitativ über dem “normalen” Junmai steht. 

Mit 15,5% Alkohol könnte er übrigens durchaus mit einem kräftigen Rotwein mithalten und würde selbigem in seiner Komplexität wohl kaum nachstehen 😉 Junmai-Sake wird im Gegensatz zu anderen Arten nicht mit Neutralalkohol versetzt und gilt aufgrund seiner kräftigen Umami-Aromen als guter Begleiter zu öligen Speisen oder allem was viel Kraft entgegenzusetzen hat. 

Wir haben uns an diesem Abend für Sushi entschieden – hauptsächlich mit fettreichem Lachs und dem sehr aromatischen Tamago – und unseren Tokubetsu Junmai leicht gekühlt. 

Im Glas schimmert uns ein zartes Gold entgegen. Der erste Schluck ist für uns Neuland. Der Sake legt sich leicht ölig an den Gaumen, zeigt dort erst sehr angenehme trockene Noten, durch die aber immer mehr vanillige Süße dringt, was dem ganzen eine tolle Eigendynamik gibt. Falls man bei Sake vom Abgang reden darf, kratzt und beißt hier gar nichts, der Sake gleitet den Gaumen wie Butter hinab. 

Insgesamt für uns etwas wirklich Besonderes, Feines und sehr Empfehlenswertes, weswegen wir allen nur raten können, ab und an mal ein bisschen Urlaub ins Glas zu schenken und mit uns in die Ferne nach Japan zu schweifen.

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