Bekocht #2: Zu Gast bei Lucullus

Das Lucullus ist die griechische Art der römischen Völlerei. Wie schon beim Namensgeber aus der Antike versteht sich das Restaurant auf üppige Portionen, damit seine Gäste satt und zufrieden werden. 

Vor allem an lauen Sommerabenden lohnt sich ein Besuch, wenn man das Glück hat, im Gastgarten einen Platz zu erwischen. Umgeben von Rankenpflanzen herrscht zwar keine schicke Nobel-Atmosphäre, dafür fühlt man sich auf den Bierbänken um so wohler. Auch uns sprach diese gemütliche Stimmung an, so dass wir dem Feldherrn einen Besuch abstatteten. Unser früher Appetit und Hunger verschafften uns noch freie Platzwahl, was sich im Laufe des Abends drastisch änderte. Leute, die sich in der Entscheidungsfindung schwer tun, raten wir, die Karte nicht zu öffnen, sondern lieber die aufgehängten Tafeln mit den Wochenempfehlungen wie Rindersteak vom Grill mit Kartoffeln, Tzatziki und Salat zu studieren. Schon allein die Vorspeisen reichen, um jedes Griechenherz höher schlagen zu lassen. Es reiht sich Taramas – eine unglaublich leckere Fischrogencreme – an Tzatziki, gebackenen Schafskäse, gefüllte Paprika, frittierte Kalamari, Auberginen und Zucchini. Um auch ja nichts zu verpassen, entschieden wir uns für Pikilia, die gemischte Vorspeisenplatte, auf der alles vertreten war. Sehr fettig, sehr viel, sehr lecker.

Eigentlich waren wir schon nach diesem Gang gesättigt, aber dank des Appetits und der „Glust“ bleibt ja Spielraum. Wer übrigens eine kleine Variante bevorzugt, kann Meze mit Ouzo – ja, den gibt’s dazu – bestellen, was einem kleinen Vorspeisenteller entspricht. Die Hauptspeisen unterteilen sich in vegetarische Gerichte, Fisch und einer Menge Fleisch. Obwohl uns auch Suvlaki und Gyros von den Tellern der benachbarten Gäste anlachten, bestellten wir beide die Fischplatte. Eine riesige Portion aus Seelachs, Thunfisch, kleinen und großen Kalamari, Kartoffeln und Salat ließen letztlich selbst unsere Mägen kapitulieren. Dies entsprang allerdings auch dem Umstand, dass das Gericht vor Fett geradezu triefte – der eine Teller mehr, der andere (bessere) weniger. Nichtsdestotrotz darf man für den Preis von ungefähr 10 € pro Hauptgericht nicht jammern. Zumal alles frisch zubereitet wird, was sich auch geschmacklich stark wiederspiegelt. Sollte sich jetzt noch, was wir stark bezweifeln, ein Plätzchen im Magen finden, kann man sich an den Desserts satt essen, die wir auch noch unbedingt probieren wollen. Es sei wieder vor der Portionsgröße gewarnt!

Im Lucullus kann man das Glück/Pech haben, neben anderen Gästen sitzen zu dürfen/müssen. Bei uns entstand daraus ein wunderbarer Abend mit spannenden Gesprächen und ganz viel Humor mit einem sympathischen Paar, der solange andauerte, bis uns mit einem Ouzo zu verstehen gegeben wurde, dass es doch schon spät genug sei, dass Restaurant zu schließen. Man munkelt, dass dieser in früheren Zeiten noch in viel raueren Mengen floss, bis es einmal zu einem Verkehrsunfall kam. Da dieser Blog auch was mit Wein zu tun hat, ließen wir es uns nicht nehmen, auch ein Gläschen im Lucullus bestellen. Die Wahl fiel auf einen roten Axia 2011, der sich auf der Tageskarte findet. Hat geschmeckt, aber auch nicht mehr.

Uns hat es im Lucullus sehr gefallen. Wir kommen auf jeden Fall wieder, schon allein, um die Speisekarte einmal durchzuprobieren.

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